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DAS BILD EINER STADT IM RAUM DES KINOS
Programm #7
Start 10. Juli 2020, 18:00h
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Videoprogramm
29. Mai — 28. August 2020

KINO SIEMENSSTADT
Das Bild einer Stadt im Raum des Kinos

Kuratiert von Olaf Stüber und Jaro Straub

Die Reihe KINO SIEMENSSTADT geht in einem dreizehnwöchigen Online-Programm der Frage nach, wie sich die Themen Raum und Architektur im Bereich Künstlerfilm und Video widerspiegeln. Wie gelingt es der zeitgenössischen Kunst, die Geschichte und die Geschichten der Stadt in Bilder zu übersetzen und wieweit kann sie dabei den aktuellen Diskurs über (historische) Architektur weiterführen, auch und gerade wenn die Intention über das rein Dokumentarische hinausgeht.

Der Titel KINO SIEMENSSTADT nimmt Bezug auf das ehemalige Filmtheater in der Nonnendammallee 96 in direkter Nachbarschaft von SCHARAUN – interdisziplinärer Projektraum für Kunst und Architektur. Als eines von zwei Kinos in Siemensstadt stellte es von 1931 bis 1962 eine der wenigen Unterhaltungsmöglichkeiten für die Siemens-Arbeiter*innen und ihre Angehörigen dar. Heute werden hier keine Filme mehr gezeigt. Wie so viele Kinos musste es einem anderen Zweck weichen, derzeit bietet der Textildiscounter KIK dort seine Ware an.



Das Szenario des bedrohten, womöglich bereits untergehenden Fimtheaters gibt es nicht erst seit Corona. Schon vorher beklagten die Kinos einen eklatanten Rückgang nicht nur der Besucher*innenzahlen sondern auch qualitativ hochwertiger Filme. Der Shutdown in den letzten Wochen scheint den Trend noch verstärkt zu haben: einige der Neuproduktionen machten erst gar nicht mehr den „Umweg“ über das Kino, sondern landeten direkt bei Netflix und Co. Das Kino Siemensstadt wird nicht das letzte sein, das einem Discounter weichen musste.

Aber auch die Kunstszene und nicht zuletzt SCHARAUN mit KINO SIEMENSSTADT öffnen sich, gedrängt durch Zugangsbeschränkungen zu realen Ausstellungsräume und des nicht mehr vorhandenen Kinos, für neue Versuchsfelder, um auszuloten, inwieweit Kunstpräsentation auch im Internet in Form eines simulierten Kinos möglich ist. Das Bewegtbild – Künstlerfilm und Video – scheint sich hier besonders anzubieten, nachdem sich die Konsument*innen in den letzten Jahren zunehmend an Streamingdienste gewöhnt haben. Die Frage, die noch zu beantworten bleibt: Funktioniert das wirklich auch im Kunstkontext?

Jaro Straub, Leiter des Projektraums SCHARAUN, hat Olaf Stüber eingeladen, mit ihm gemeinsam eine Programmreihe zusammenzustellen mit einem Schwerpunkt – es liegt nahe – auf Architektur und die Stadt. Eröffnet wird die Reihe am Freitag, 29. Mai um 18h mit zwei Filmen von Anri Sala. Der Film „Long Sorrow“ von 2005, gefilmt im 18. Stock eines Wohngebäudes im Märkischen Viertel in Berlin, bildet eine filmische Blickachse zu der modernen Siedlungsarchitektur in Berlin-Siemensstadt, in deren Räumen sich SCHARAUN befindet. Die Filme werden für sechs Tage online auf www.scharaun.de abrufbar sein, bevor der Countdown zum nächsten Programm einsetzt.

Im wöchentlichen Turnus folgen bis Ende August Filme von: Filipa César, Ofir Feldman, Nina Fischer & Maroan el Sani, Dani Gal, Andy Graydon, Claire Hooper, Anja Kirschner & David Panos, Nina Könnemann, Knut Klassen & Carsten Krohn, Korpys/Loeffler, Sophie Nys, Mario Pfeifer, Anri Sala, Amie Siegel, Shingo Yoshida und Tobias Zielony.


Ende August wird SCHARAUN eine Auswahl der online gezeigten Arbeiten nochmals installativ im „realen“ Raum zeigen. Sowohl in den eigenen Räumen, in der Infostation Siemensstadt als auch an weiteren Orten sollen die Erfahrungen der letzten Wochen vor dem Hintergrund einer Präsentation mit Publikum, dem gemeinschaftlichen Schauen und dem direkten Gegenüber von Werk und Rezipient reflektiert werden.

Die Laufzeit von KINO SIEMENSSTADT ist 29. Mai 2020 bis 28. August 2020.
— KINO SIEMENSSTADT auf Facebook

Programm #1, Freitag 29. Mai, ab 18:00h
Anri Sala
The Long Sorrow (2005) 13 min
Answer Me (2008) 5 min

Programm #2, Freitag 5. Juni, ab 18:00h
Korpys/Löffler
Die Stadt von Morgen (2007) 16min
World Trade Center (1997) 7min
Reflecting Absence (2016) 23min

Programm #3, Freitag 12. Juni, ab 18:00h
Amie Siegel
The Architects (2014) 33 min

Programm #4, Freitag 19. Juni, ab 18:00h
Dani Gal
White City (2018) 25 min
Fields of Neutrality (2019) 32 min

Programm #5, Freitag 26. Juni, ab 18:00h
Anja Kirschner & David Panos
The Empty Plan (2010) 78 min

Programm #6, Freitag 3.Juli, ab 18:00h
Sophie Nys
Die Hütte (2007) 12min
Utopia Song (2010) 10min
The Room (2009) 5min

Programm #7, Freitag 10.Juli, ab 18:00h / 6 Tage online
Andy Graydon
Vostok, Faretheewell (2011) 35min
Shingo Yoshida
Error (2013) 11min

Programm #8, Freitag 17.Juli, ab 18:00h
Knut Klassen & Carsten Krohn
Die Fahrt durchs Haus (2008) 58min
Manuel Graf
1000 Jahre sind ein Tag (2005) 4min
Über die aus der Zukunft fliessende Zeit (2006) 9min

Programm #9, Freitag 24.Juli, ab 18:00h
Filipa César
Porto, 1975 (2010) 11min
Allee der Kosmonauten (2007) 11min
Nina Fischer & Maroan El Sani
Klub 2000 (1998) 11min

Programm #10, Freitag 31.Juli, ab 18:00h
Tobias Zielony
Le Vele di Scampia (2009) 9min
Mario Pfeifer
Untitled („Two Guys“) (2008) 8min

Programm #11, Freitag 7.August, ab 18:00h
Claire Hooper
Nyx (2010) 22min
Nina Könnemann
What’s New (2015) 4min

Weitere Termine folgen.

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Scharaun ist ein interdisziplinärer Projektraum für Kunst und Architektur. Der Ausstellungsraum befindet sich im 3. Stock der von Hans Scharoun entworfenen und 1930 fertiggestellten Wohnanlage am Jungfernheideweg 4 in Berlin-Siemensstadt. Scharoun hat mit seiner Frau Aenne selbst 30 Jahre in dem Haus gelebt und gearbeitet.

Mehr
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01 Küche

Zwar ist von der Küche im Urzustand keine Fotografie erhalten, doch aufgrund der sparsamen Dimensionierung ist zu vermuten, dass Scharoun hier eine Frankfurter Küche verbauen ließ. Auch in späteren Architekturen griff Scharoun gerne auf das kompakte Einbaumodell zurück. Dem original Grundriss ist zu entnehmen, dass es ursprünglich auch eine Durchreiche bzw. einen Durchgang zum Essbereich gegeben hat.
02 Wohnraum

Der konsequent nach Ost-West ausgerichtete Wohnraum wird vom Blumenfenster wie vom Balkon durchlichtet. Das „durchgesteckte Zimmer“ löste den Klassischen Berliner-Altbau mit seiner Flur-Versorgung ab, und teilt sich ursprünglich in Ess- und Wohnbereich auf. Dabei liegt der der Essbereich unmittelbar vor dem Blumenfenster.
03 Bad

Dem originalen Grundriss ist zu entnehmen, dass Scharoun das Bad samt Badewanne geplant hat. Was heute normal erscheint, war 1930 jedoch ein seltener Luxus, der erst durch die lokale Blockheizkraftwerk-Versorgung des Hauses möglich gemacht wurde. Durch die zentrale Wärmeversorgung erübrigte sich somit auch der bisher gängige Holz/Kohleofen.
04 Kinderzimmer / Archivraum

Der im Original-Grundriss als „Kammer“ bezeichnete Raum, wird in den meisten Fällen als Kinderzimmer genutzt worden sein. Nach heutigen Maßstäben sind 12 qm für ein Kinderzimmer zwar eher knapp bemessen, doch in Verbindung mit dem großzügigen Wohnbereich, erschließt sich das Nutzungskonzept so adäquat.
05 Schlafzimmer

Das großzügige Schlafzimmer verfügt über einen Direktzugang zur Loggia. Die Fensterfront gibt dabei unmittelbaren Aufblick auf den Jungfernheideweg und auf die von Landschaftsarchitekten Leberecht Migge angelegte Grünanlage vor dem Gebäude.
06 Blumenfenster

Das großzügige Blumenfenster verbindet die begrünte Innenhofanlage mit dem Innenbereich der Wohnung. Scharouns Anwendung des Blumenfensters basierten nicht nur auf einer ästhetischen Überlegung, sondern stellten für die Wohnung ebenso energetische wie aber auch eine raumklimatische Qualität dar.
07 Loggia / Balkon

Die eingefasste Loggia ist sowohl vom Wohn- wie vom Schlafzimmer zugänglich und ergibt somit eine Erweiterung des Wohnbereiches.
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